Gedanken Gedöns

Strassenfeger: Anekdote und kriminelle Methoden?

Die Obdachlosenzeitung Strassenfeger bekomme ich gefühlt in jeder S-Bahn-Fahrt 1-5 mal angeboten. Während ich zu Beginn dachte, dass es bestimmt angenehmer ist etwas zu verkaufen statt zu betteln, höre ich mitunter häufiger den Hinweis, ich dürfe auch gern ohne Kauf etwas spenden.


Berlin, sonniger Herbstvormittag, S7 Richtung Potsdam.

Ich sitze mit Lektüre entgegen der Fahrtrichtung, mir gegenüber zwei ältere, gut betuchte Damen. Sie unterhalten sich über die Pläne des am Tag zuvor begonnenen Berlinaufenthalts. Das übliche Treiben. Die Bahn hält, Gedrängel raus, Gedrängel rein, Zurückbleiben bitte, die Türen schließen unnachgiebig vor den letzten Heranrennenden. Kaum setzt sich die Bahn in Bewegung meldet sich eine monotone gelangweilte Stimme, die den typischen Text herunterleiert. Die Damen nehmen Notiz, unterhalten sich etwas leiser weiter und die außen Sitzende gibt dem Strassenfeger-Verkäufer mit einem Handzeichen ihr Interesse zu verstehen. Sie gibt ihm den Preis und Trinkgeld. Er holt umstädlich ein Exemplar hervor und gibt es ihr, verschwindet dann wieder aus dem Geschehen und der Bahn. Die Käuferin schaut ihre Freundin an, dann auf die Zeitung in ihrer Hand und wieder ihre Freundin.
Ratlos fragt sie: Und was soll ich jetzt damit?


Auch wenn mir klar ist, dass Geld verdienen auf dem Berliner Pflaster hart sein kann, denke ich nicht an kriminelle Machenschaften und Zeitungsverkäuferbanden. Aber im Endeffekt ist es wohl egal, ob Zeitung oder Pfandflasche, irgendwer versucht immer, aus den Wehrlosen Kapital zu schlagen. Davon und von neuen Regeln für Verkäufer berichtet jedenfalls die Prenzlauer Berg Nachrichten. Ich finde es sehr schade, dass sich der Chefredakteur des Strassenfeger dazu nicht zu Wort meldet, denn wenn ich schon jemandem Geld gebe, möchte ich damit nicht irgendwelche Banden unterstützen.

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